90-Tage-Plan für Freelancer in der Schweiz 2026
Dieser 90-Tage-Plan richtet sich an Freelancer, die 2026 nicht auf Hoffnung setzen wollen, sondern auf Klarheit.
Die Zahlen stammen aus 2025 und dem Ausblick auf 2026 – genau so, wie Entscheider heute planen.
Warum du jetzt einen 90-Tage-Plan brauchst
Viele Freelancer starten 2026 mit der gleichen Hoffnung wie jedes Jahr:
Mehr Sichtbarkeit, mehr Anfragen, mehr Umsatz.
Der Markt hat eine andere Erwartung.
Die Schweizer Wirtschaft wächst weiter, aber langsamer als früher. Für 2025 liegt das reale BIP bei rund 1.3–1.4 %, für 2026 bei 0.9–1.1 %. Das ist klar unter dem historischen Schnitt.
Das heisst:
- Budgets sind vorsichtig, nicht tot.
- Projekte brauchen einen klaren Business Case.
- Kunden kaufen Ergebnisse, keine offenen Mandate.
Wenn du 2026 einfach lauter wirst, wirst du nicht sichtbarer.
Du wirst austauschbarer.
Ein 90-Tage-Plan zwingt dich zu Fokus, Klarheit und Disziplin. Genau das belohnt der Markt jetzt.
Die Ausgangslage in der Schweiz: stabil, aber selektiv
Die Arbeitslosigkeit bleibt tief (unter 3 %), steigt aber leicht an. Gleichzeitig flacht die Einstellungsdynamik ab. Unternehmen sind zurückhaltender bei Festanstellungen und setzen verstärkt auf Freelancer, Interim-Rollen und Projekte.
Parallel steigt der Produktivitätsdruck massiv.
Der Anteil der Schweizer KMU, die künstliche Intelligenz nutzen, ist innert eines Jahres von 22 % auf 34 % gestiegen. 57 % berichten von klaren Effizienzgewinnen. Stellenabbau spielt kaum eine Rolle, stattdessen entstehen neue Aufgabenprofile.
Kurz gesagt:
Der Markt ist offen – aber nur für Freelancer, die relevant sind.
Ziel dieses 90-Tage-Plans
Dieser Plan ist kein Motivationspapier.
Er ist ein Buchungsplan.
Nach 90 Tagen sollst du:
- klar sagen können, für wen du arbeitest,
- welches Problem du löst,
- welches Ergebnis du lieferst,
- und warum man jetzt mit dir arbeiten sollte.
Phase 1: Tage 1–30 – Klarheit & Positionierung
Dein Spielfeld definieren: Warum Fokus 2026 wichtiger ist als Reichweite
Viele Freelancer reagieren auf Unsicherheit mit mehr Marketing.
Das ist selten das Problem.
Bei flachem Wachstum gewinnen Spezialisten.
Frage dich:
- In welchen 1–2 Branchen wird trotz Vorsicht investiert?
- Welches konkrete Problem ist ungelöst?
- Wo zahlst du direkt auf Produktivität, Kosten oder Geschwindigkeit ein?
Typische Spielfelder 2026:
- Industrie-KMU unter Zolldruck
- Dienstleister mit hohem administrativem Aufwand
- Unternehmen ohne klare AI-Strategie
Merksatz: Fokus ist kein Risiko. Fokus ist dein Hebel.
Dein Angebot schärfen: Weg von Leistungen, hin zu Ergebnissen
Vergiss Leistungslisten.
Geschäftsführer kaufen kein „Können“. Sie kaufen Wirkung.
Ein gutes Angebot beantwortet drei Fragen:
- Was ändert sich?
- Wie lange dauert es?
- Wie hoch ist das Risiko?
Beispiel:
Ich helfe Schweizer KMU, innerhalb von 8 Wochen ihre Vertriebsprozesse mit AI messbar effizienter zu machen – ohne zusätzliches Personal.
Warum das funktioniert:
- klarer Zeitraum
- klares Ergebnis
- begrenztes Risiko
So wird heute eingekauft.
Finanz- und Steuerbasics stabilisieren: deine unternehmerische Hygiene
2026 zählt Resilienz.
Plane:
- 25–35 % des Gewinns für Steuern und AHV (je nach Kanton)
- eine Liquiditätsreserve
- Säule 3a, falls du keine 2. Säule hast
Das ist kein Formalismus.
Es gibt dir Handlungsspielraum, wenn Projekte später starten.
Mini-Checkliste Phase 1
- Eine Branche, ein Kernproblem definiert
- Ein Angebotssatz, den ein CFO versteht
- Rückstellungen und Konten sauber eingerichtet
Phase 2: Tage 31–60 – Angebot & Markteintritt
Angebotsarchitektur 2026: risikoarm, modular, entscheidungsfreundlich
Unternehmen bevorzugen kleine, kontrollierbare Schritte.
Bewährt hat sich ein Drei-Stufen-Modell:
- Diagnose-Sprint (1–2 Wochen, Fixpreis, klarer Output)
- Umsetzungsprojekt (4–12 Wochen, messbares Ziel)
- Begleitung (kleiner Retainer, planbar)
Diese Struktur passt perfekt zur aktuellen Investitionslogik.
Preisstrategie im vorsichtigen Markt: ROI schlägt Tagessatz
Nullzins bedeutet nicht Wachstumseuphorie.
CFOs rechnen härter:
- Fixpreise statt offener Tage
- Business Case statt Stundenlogik
- Vergleich mit Einsparungen oder Mehrertrag
Beispiel:
Projektkosten ≈ 10 % der erwarteten Einsparung innerhalb von 12 Monaten.
So wird dein Preis logisch begründbar, nicht emotional.
Sichtbarkeit dort, wo Entscheidungen fallen
Mehr Reichweite bringt dir nichts, wenn sie die falschen Leute erreicht.
Setze auf:
- 2–3 kurze, praxisnahe Inhalte zu deinem Kernproblem
- gezielte Ansprache von Geschäftsführern, CFOs oder Bereichsleitern
- klare Verknüpfung mit Marktrisiken (Produktivität, Kosten, AI)
Weniger Lärm. Mehr Wirkung.
Mini-Checkliste Phase 2
- Diagnose-Sprint klar definiert
- Fixpreise mit Business Case
- 20–30 relevante Zielkontakte identifiziert
Phase 3: Tage 61–90 – Pipeline & Resilienz
Pipeline statt Zufall: Disziplin schlägt Talent
Die Prognosen zeigen: Unsicherheit bleibt mindestens bis 2026 bestehen.
Baue eine einfache Pipeline:
- Lead
- Warm
- Angebot
- Kunde
Und halte wöchentliche Routinen ein:
- Follow-ups
- kurze Markt-Updates
- Beziehungspflege
Partnerschaften: Warum Einzelkämpfer es schwerer haben
KMU suchen Lösungen, keine Einzelpersonen.
Kooperiere:
- mit 2–3 komplementären Freelancern
- über Netzwerke und Plattformen
- als kleine Taskforce
Das senkt das Risiko für den Kunden – und erhöht deine Abschlussquote.
Risikomanagement & Plan B
Plane bewusst:
- 3–6 Monatsausgaben Reserve
- laufende Kosten kritisch prüfen
- einen Plan B (z. B. Interim-Mandate)
Interim- und Projektrollen gewinnen weiter an Bedeutung.
Was du heute starten kannst (Tag 1–3)
- Entscheide dich verbindlich für eine Branche und ein Kernproblem.
- Skizziere deinen Diagnose-Sprint auf einer Seite.
- Richte dein Finanz-Setup sauber ein und sprich mit einem Treuhänder.
Kein Perfektionismus.
Nur Umsetzung.
Fazit
2026 belohnt keine Lautstärke.
Es belohnt Relevanz.
Wenn du dich in den nächsten 90 Tagen klar positionierst, risikoarm anbietest und deine Pipeline diszipliniert aufbaust, wirst du auch im vorsichtigen Markt gebucht.
Nicht trotz der Lage.
Sondern wegen ihr.
FAQ – häufige Fragen von Freelancern in der Schweiz
Lohnt sich Freelancing 2026 in der Schweiz noch?
Ja – für Freelancer mit klarer Positionierung und messbarem Nutzen. Generalisten haben es schwerer.
Welche Branchen buchen 2026 trotz Vorsicht?
Industrie-KMU, regulierte Dienstleistungen, produktivitätsnahe Funktionen (AI, Prozesse, Compliance).
Warum sind Diagnose-Sprints so wichtig?
Sie senken das Risiko für den Kunden und beschleunigen Entscheidungen.
Über den Autor
Name: Amor Dhaouadi
Kurzbeschreibung:
Amor ist dein Partner und Helfer, wenn du mehr Erfolg im Beruf und im Geschäft haben willst.
Gibt Orientierung bei komplexen Entscheidungen in Vertrieb, Marketing und Strategie.
Unterstützt Solopreneure und Unternehmer dabei, Klarheit zu gewinnen, Potenziale zu erkennen und wirkungsvolle Schritte umzusetzen.
Der Fokus: praxisnahe Impulse, die Wachstum fördern – persönlich, unternehmerisch und strategisch.
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Dieser Artikel wurde in den Freelancer-Schweiz-News 01/2026 veröffentlicht.



